Heute sorgen allein in Deutschland 10.400 hochmoderne Kläranlagen für die mechanische, chemische und biologische Aufbereitung der Abwässer. Zu einer solchen Reinigungsleistung ist auch die Natur selbst in der Lage – wie eine überaus lehrreiche (Auf-)Kläranlage unlängst im Rahmen der Ausstellung EMSCHERKUNST.2010 bewies.
Zwei gelbe Kabinen, eine Damen-, eine Herrentoilette und ein Handwaschbecken. Mitten im Ruhrgebiet, hoch über dem Abwasserflüsschen Emscher hängend, verdient diese Installation ihre Bezeichnung gleich doppelt – als Sanitäranlage wie als Kunstobjekt. Das Besondere: Die Toiletten von „Between the Waters“ sind nicht an die hiesige Kanalisation angeschlossen. Denn das Kunstprojekt von Marjetica Potrc und Ooze Architects präsentiert eine nachhaltige Wasserversorgung, die ausschließlich mit dem vor Ort vorhandenen Wasser arbeitet – Wasser aus Emscher, Kanal und Regen.
Wie läuft’s?
Alle Stationen der komplexen, aber letztlich doch verblüffend einfach arbeitenden Anlage – Pumpenschächte, Pflanzenkläranlage, Wassertank und Frischwasserfilter – sind oberirdisch positioniert, um Besuchern den Verlauf des Wassers zu demonstrieren und Akzeptanz für den Einsatz moderner biologischer Kläranlagen zu gewinnen.
So wäre das ja geklärt
Das Schmutzwasser aus Emscher und schwebendem Toilettenhäuschen wird in bepflanzte Bereiche mit Schotter und Sand gepumpt, wo sich feste Schmutzpartikel am Boden absetzen, während Flora und Fauna im Feuchtbiotop das Wasser auf natürliche Weise reinigen: durch Bakterien, die sich an den Pflanzen ansiedeln. Nachdem unterwegs Regenwasser zugeführt wurde, gelangt das Wasser schließlich in kissenförmige Wasserspeicher. Sein Ziel hat es schließlich an der Trinkwasserplattform oberhalb des Rhein-Herne-Kanals erreicht. Hier sorgt ein UV-Filter für Keimfreiheit, sodass man es tatsächlich bedenkenlos trinken kann, das auf so einfache und natürliche Art geklärte ehemalige Abwasser. Und diese anschauliche Anlage liefert auch genug erstaunlich einfach und effizient gereinigtes Wasser, um einen öffentlichen Garten zu bewässern – nur mit dem, was die Ressourcen Fluss, Kanal, Niederschlag und Toiletten zu bieten haben.
Nicht immer ist Kunst so lebens- und praxisnah wie bei „Between the Waters: The Emscher Community Garden“. Dieses Projekt hat eindrucksvoll bewiesen, dass und wie die Natur in der Lage ist, Wasser eigenständig zu reinigen.